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Lieber zweimal rechnen

Wenn man einen Kredit aufnehmen möchte, muss man unzählige Entscheidungen treffen. Und man darf sich jede Menge an Fachbegriffen anhören, mit denen ein Bankberater um sich wirft. Jede Frage nach einer verständlichen Erklärung wird mit noch mehr komplizierten Begriffen beantwortet und verwirrt noch mehr. Ich glaube, die Banker wollen gar nicht, dass man sie versteht. Denn sonst würden sich viele gar nicht erst Kreditkonstellationen aufreden lassen, die sie gar nicht verstehen.

Nehmen wir mal ein Beispiel: wisst Ihr mit dem Begriff Anfangstilgung etwas anzufangen? Wenn ja, ist es dann auf Dauer gesehen günstiger, bei einem Darlehen eine Anfangstilgung von 1 Prozent oder 3 Prozent zu vereinbaren? Wenn Ihr die Frage beantworten könnt, braucht Ihr nicht weiterzulesen (richtige Antwort wäre 3 Prozent).

Aber was ist denn nun die Anfangstilgung? Damit bezeichnet man bei einem Kredit die Tilgung der allerersten Rate. Mit jeder weiteren Rate steigt die Tilgung ein kleines Stück, weil die Zinsen sinken (durch die Tilgung wird ja die Schuld immer niedriger). Wenn Ihr Euch das mal ausrechnen wollt, könnt Ihr einen Hypothekendarlehen Rechner zur Tilgungsplanung nutzen.

Mit einer höheren Anfangstilgung kann man also die Rückzahlung des Darlehens erheblich beschleunigen. Die meisten Banken werden aber natürlich versuchen, dem Kunden ein Darlehen mit einer Anfangstilgung von einem Prozent zu vermitteln. Warum? Weil sie daran am meisten verdienen. Das Darlehen selbst bringt der Bank keinen Gewinn, es ist nur eine Art "durchlaufender Posten". Die Bank verdient an den Zinsen. Und umso mehr sie davon bekommen kann, desto besser.

Nur mal ein Beispiel: Ihr nehmt zur Hausfinanzierung ein Darlehen von 100.000 Euro auf. Bei einem angenommenen Zinssatz von 6 Prozent und einer Anfangstilgung von einem Prozent, seid Ihr nach knapp 33 Jahren schuldenfrei und habt insgesamt 228.000 Euro an die Bank gezahlt. Wählt Ihr dagegen eine 2%ige Tilgung, seid Ihr schon nach rund 23 Jahren fertig mit der Rückzahlung, bei einer Gesamtzahlung von 185.000 Euro. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, Euch das Beispiel nochmals grafisch darzustellen: links die Variante mit der 1%-Tilgung, rechts die Variante mit der 2%-Tilgung:imageimage

 
Wofür entscheidet Ihr Euch?

Man sieht doch recht deutlich, dass man mehr Zinsen zahlt, wenn man sich für eine geringere Tilgung entscheidet oder? Bei einer höheren Anfangstilgung ist die monatliche Rate etwas höher, da man eben mehr tilgt. In obigem Beispiel zahlt Ihr also

  • 583 Euro (bei 1% Tilgung) bzw.
  • 666 Euro (bei 2% Tilgung).

Viele lassen sich von der Höhe der Rate abschrecken – oder können sie vielleicht auch nicht zahlen. Darum wählen sie dann eher die vermeintlich günstigere Alternative, ohne auf die letztendlich zu zahlende Gesamtsumme zu achten. Und genau das weiß auch jeder Mitarbeiter in der Kreditabteilung einer Bank. Er wird Euch nie die Gesamtbelastung nennen und vergleichen, sondern immer nur die einzelnen Raten. "Die sind ja sooo günstig" und "da bleibt Ihnen auch noch Geld zum Leben". Ja, und ihm eine Menge Provision.

Rechnet unbedingt Kreditangebote noch einmal in Ruhe zuhause durch, bevor Ihr sie unterschreibt. Mithilfe von oben genannten Rechner könnt Ihr einen Tilgungplan erstellen, alternativ könnt Ihr das auch mithilfe von Excel tun. Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich ein vermeintlich günstiges Angebot als großes Geldgrab entpuppt. Da können die Banken mit ihren tollen Zinssätzen locken wie sie möchten, sie wollen doch nur eins: Gewinne einfahren.

One Response to “Lieber zweimal rechnen”

  1. Markus Kohler says:

    Natürlich ist es rein rechnerisch besser, eine hohe Anfangstilgung zu wählen. Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass der Kreditnehmer mehr bezahlen muss, wenn die Anfangstilgung zu groß ist und kurz nach dem Bau ist vielleicht das Geld auch nicht gerade mehr so flüssig.